rbb-Kulturradio: Zu wenig Literaturförderung

Gestern hat Moritz Malsch für das nflb und die Berliner Literaturkonferenz ein Interview im rbb-Kulturradio zum aktuellen Kultur-Haushaltsentwurf und unserer Kritik an der strukturellen Benachteiligung der Literatur gegeben. Zum Nachhören müsst ihr euch ein bisschen durchklicken: Ihr findet den Beitrag anhand von Sendezeit (20.8. um 08:10 Uhr) und Titel („Zu wenig Literaturförderung?“).

Anke Stelling: Keynote zum nflb-Sommerempfang (17.08.19)

Bei einer Lesung in Frankfurt Anfang Juni fragte mich die Moderatorin, warum Resi – die Protagonistin meines Romans ‚Schäfchen im Trockenen‘ und als Schriftstellerin tätig wie ich – eigentlich stets so betone, dass sie ‚Schriftstellerin von Beruf‘ sei. Ob das was anderes wäre als einfach nur Schriftstellerin?
Puh, dachte ich, ja, gute Frage. Im Grunde einer der Kernpunkte des gesamten Romans. Warum hatte mich bisher noch niemand darauf angesprochen? Ich suchte also nach einer Antwort und meinte dann, dass der Roman von Geld sowie Statusfragen handelt, und deshalb auch von der Frage, ob Schreiben überhaupt ein Beruf sei. Also etwas, womit man zum einen Geld verdienen kann, es zum andern aber auch verdient hat, welches zu verdienen. Also eine Tätigkeit, die die Gesellschaft braucht.
Genau so wie sie Landwirte und Ärzte und Heizungsinstallateure braucht, weshalb es gut und dankens- und auch Geld wert ist, wenn jemand diesen Job übernimmt. Oder – um das jetzt auch noch mal als Idee in den Raum zu stellen – das Schreiben am Ende doch nur ein hübsches, im Grunde aber überflüssiges Hobby darstellt, wofür es anmaßend ist, auch noch Geld zu verlangen.

Für Resi im Roman stellt sich die Frage deshalb so dringend, weil sie mit einem Mal deutlich mehr Geld braucht, als sie mit Schreiben verdient. Zum zweiten aber auch deshalb, weil sie mit dem, was sie schreibt, ziemlich aneckt.
Und so, wie die Bauern die Massentierhaltung damit rechtfertigen, dass die Leute aber durchaus jeden Tag Fleisch essen wollen, will Resi ihr Schreiben gerne damit rechtfertigen, dass die Leute aber schließlich was Interessantes lesen wollen. Also bitte. Soll’n sie froh sein, dass jemand sich die Finger schmutzig macht.

Ich hatte beim Schreiben von ‚Schäfchen im Trockenen‘ bereits ziemlich Sorge, ob es klug ist, einen Roman, der von Klassismus handeln soll, anhand einer Protagonistin zu erzählen, die im Literaturbetrieb arbeitet. Eben weil die Frage, ob es überhaupt notwendig ist, dass irgendwer das tut, schon die erste sein könnte, bei der dieses Vorhaben steckenbleibt.
Und tatsächlich bin ich dann auch häufig mit der Ansicht konfrontiert worden, dass ich wohl besser eine hart arbeitende Erzieherin oder Krankenschwester oder sonst eine zu Unrecht unterbezahlte Frau in einem echten, abgehängten Elendsviertel und mit einem echten, eindeutig notwendigen Beruf hätte in den Mittelpunkt des Romans stellen sollen – statt eine auf hohem Niveau jammernde Luxuskreative.

Bei einer Lesung in Potsdam Ende Mai meinte ein Zuhörer, warum Resi denn nicht einfach Lehrerin geworden sei. Lehrer sei ein ehrenwerter Beruf, werde immer und zur Zeit besonders dringend gebraucht, und eine Familie könne man mit dem, was man dabei verdiene, auch gut ernähren. Eine Lehrerin im Publikum erwiderte darauf, dass es seltsam sei, dass alle Welt glaube, es sei so schön und bequem, Lehrerin zu sein. Und dass jeder und jede das einfach so könne. Der Mann, der es vorgeschlagen hatte, bekam trotzdem noch einigen Beistand von anderen Leuten aus dem Publikum, und hätte man nach der Diskussion abgestimmt, wäre, schätze ich, die Mehrheit dafür gewesen, dass Resi doch wirklich besser Lehrerin geworden sei.
Mein zaghafter Einwand, dass ich sie schon bewusst als Schriftstellerin konzipiert hätte, wurde mit der Bemerkung „Gut, dann ist sie aber auch selbst schuld“ vom Tisch gewischt.
Mein zaghafter Hinweis, dass die Floskel „Selbst schuld“ doch ein tragendes und extrem ausgebautes Motiv des Romans darstelle – tatsächlich hatte ich aus dem Kapitel, das mit dieser Floskel überschrieben ist, vorgelesen – wurde achselzuckend zur Kenntnis genommen.

Lesungen sind toll. Nicht nur, weil man als Schriftstellerin damit Geld verdienen kann, man lernt auch wirklich sehr viel.
Man lernt was über den Text, den man vorstellt – mir war zum Beispiel gar nicht bewusst gewesen, dass Resi dieses „von Beruf“ tatsächlich mehrfach betont.
Man lernt, dass auch ein bewusst ausgebautes Motiv nicht zwingend als solches wahr- und ernstgenommen wird.
Man lernt was über diverse Lesarten und allgemein gültige Glaubenssätze, über Gruppen- und Diskussionsdynamik; man kann spielen, man sei Lehrerin – was tatsächlich nichts ist, das jeder und jede einfach so kann. Ich zum Beispiel eher nicht.
Man kann üben, Schriftstellerin zu sein. Eine, die geliebt und gefeiert wird – oder eine, die in Frage gestellt und korrigiert wird. Die vielleicht besser hätte Lehrerin werden sollen, aber jetzt eben auch weiß, dass das sicher kein Ausweg für sie gewesen wäre: wenn sie noch nicht mal ein Lesungspublikum im Griff behalten kann.

Landwirte sind übrigens auch extrem angreifbar. Ich weiß das, weil ich einen im Bekanntenkreis habe. Er ist wütend auf Städter, Ökos und Tierschützer. Er verteidigt verbissen seine Subventionierung. Er lässt sich nicht gern reinreden von Leuten, die keine Ahnung haben – muss er aber, weil einfach jeder und jede einen Bauernhof im Kopf hat, wie er und sie ihn sich so wünscht.
Ich habe diesen Bekannten noch nie sagen hören, er sei ‚Landwirt von Beruf‘, aber ich könnte es ihm raten, weil, wie ich jetzt weiß, damit mehreres auf einmal gesagt ist: Ich hab verdient, damit Geld zu verdienen. Ich mach das nicht zum Spaß, ich mach das auch für euch. Sagt ihr mir nicht, wie ich’s zu machen habe, denn euer Zugang dazu und eure Vorstellung davon sind begrenzt.
Er erholt sich, indem er sich mit seinesgleichen zusammensetzt. Sich im Bauernverband engagiert. Noch einen Stall anbaut und noch einen, der größte und modernste und reichste Bauer der Umgebung wird – dann spricht der Erfolg nämlich für sich.

Was einen aber offenbar auch nicht rettet. Ich dachte ja, ich säße inzwischen wirklich fett drin. Und dann Potsdam!
Und ich hab das durchaus ernst gemeint: Ich finde gut, wenn man was lernt. Weil: hinterher ist man schlauer.
Aber währenddessen ist es schon auch ziemlich anstrengend.
Wie konnten mir meine Autorität, mein mithilfe von Resi erarbeitetes Selbstverständnis als Schriftstellerin so rasch abhanden kommen? Warum nützten mir weder Auszeichnungen noch Verkaufserfolg?
Sie wollten mir einfach nicht folgen. Am Schluss meinte eine ältere Dame tröstend, dass ich vielleicht beim nächsten Buch mal einen Lektor heranziehen sollte. Das sei hilfreich, um klarer herauszuarbeiten, worum es einem eigentlich geht.

Gleichzeitig war diese anstrengende Erfahrung aber eben auch äußerst ermutigend.
Der Praxistest hatte bewiesen, dass es richtig gewesen war, Resi Schriftstellerin sein zu lassen. Der Common Sense im Potsdamer Publikum hatte Resis Verunsicherung, ihr Gefühl, selbst schuld zu sein, die Fragilität ihres Status’ und die Fragwürdigkeit ihres Dagegenredens vollauf bestätigt! Sie konnte offenbar wirklich nicht darauf vertrauen, dass die Allgemeinheit der Ansicht war, Schriftstellerin sei ein Beruf wie Lehrerin oder Landwirt. Sie hatte sich nicht nur eingebildet, dass viele Leute davon ausgingen, man müsse sich das schon leisten können: Schriftstellerin zu sein.
Genau das hatte ich doch gewollt. Dass die Klassenfrage aufkam. Die Frage, wer sich was leisten kann. Wer was von Vornherein verkörpert und wer mühselig immer wieder von vorne anfängt.
Vielleicht nicht derart live – indem eine ältere Dame mir begütigend zuspricht – aber hey, this is performance. Let it go, let it speak for itself!

Dass genau das das Wesen von Kunst ist, muss ich mir selbst auch immer wieder klarmachen. Ich werfe eine Geschichte, Figuren, meine Art, die Welt zu erleben, in den Ring – was daraus folgt und wie es verstanden wird, entzieht sich meiner Kontrolle.
Klar ist es toll, wenn’s auf jemanden trifft, der genau das darin sieht, was man selbst meint, damit gemeint zu haben. Aber so, wie es noch ein bisschen toller ist, wenn jemand noch mehr darin sieht – auch etwas, von dem man nicht wusste, dass es überhaupt drinsteht – ist es auch toll, wenn sich einfach nur die Frage oder Unverständnis oder Befremdetsein breitmachen. Nicht so leicht auszuhalten. Dafür Stoff für den nächsten Roman.

Oder zumindest für diese Keynote.
In der ich sagen möchte:
Die Gesellschaft braucht Literatur.
Die Gesellschaft braucht Literaturveranstaltungen.

Die Kunst kann es sich nicht leisten, nur von denen gemacht zu werden, die es sich leisten können.
Die Kunst hat keinen Preis und keinen kontrollierbaren Wert. Wie auch, wo sie doch noch nicht mal ein kontrollierbares Rezeptionsergebnis hat!
Und das ist gut, das muss genau so sein. Darin zeigt sich überhaupt erst ihr Wesen.

Anke Stelling

Berliner Zeitung: Haushaltsentwurf ist ein Skandal

Auch die Berliner Zeitung hat bereits auf unsere Pressekonferenz vom 13.08. reagiert und schreibt völlig zutreffend: „Berlins freie Literaturszene hält viel auf ihre Freiheiten. Genau dafür könnte den Künstlern bald das nötige Geld fehlen: Der Haushaltsentwurf der Verwaltung sieht nur 1,1 Millionen Euro für sie vor, am Montag stimmt der zuständige Ausschuss darüber ab. Der Vorwurf der Kulturschaffenden: Die Verwaltung habe keinen Einblick in die Arbeitsprozesse der Literaturszene – und würde übersehen, dass Literatur ein gesellschaftliches Phänomen ist.“

Eindrücke von der nflb-Pressekonferenz: Wo ist die Literatur?

„Wenn ich die tagesschau anschalte, höre ich Spitzenpolitiker*innen darüber sprechen, dass wir neue Erzählungen von Deutschland brauchen, neue Erzählungen von Europa und gegen die Verrohung des Diskurses, gegen die Verrohung der Sprache annarbeiten müssen. Genau das wird in Berlin jeden Tag geleistet: in unabhängigen Verlagen, in Literaturzeitschriften, bei den Lesereihen. Ich frage mich, warum dafür nur 360.000€* da sind.“ (Tillmann Severin auf der nflb-Pressekonferenz, 13.08.2019) *Die Zahl bezieht sich auf den Aufwuchs für die freie Literaturszene im aktuellen Haushaltsentwurf.

Wir danken allen Teilnehmer*innen der heutigen Pressekonferenz für ihr reges Interesse ebenso wie unseren Kooperationspartnern VS, VFLL, VdÜ, KdfS, Unabhängige Lesereihen, Junge Verlagsmenschen und BücherFrauen ganz herzlich für ihre Unterstützung!

Pressemitteilung: Berliner Senat stellt neuen Haushaltsentwurf vor – freie Literaturszene weiter strukturell benachteiligt

Berlin, 31.07.2019

Der Berliner Senat hat im Juli seinen Entwurf für den Doppelhaushalt 2020/2021 vorgestellt. Der Kulturhaushalt wächst von 538,8 Mio. Euro 2019 auf 593,2 Mio. Euro 2020 und 606,8 Mio. Euro 2021. Mithin ergibt sich ein Aufwuchs von 68 Mio. Euro. Auf die Förderung der freien Szene entfallen Steigerungen um 17,8 Mio. Euro (2020) bzw. 20,6 Mio. Euro (2021). Angesichts dieser hervorragenden Zahlen ist die Situation in der Sparte Literatur ernüchternd: Der Aufwuchs von 360.000 Euro entspricht lediglich 1,7 Prozent des Aufwuchses für die gesamte freie Szene.

Dies ist insbesondere enttäuschend, da die Literatur im Vergleich zu anderen Sparten strukturell noch immer erheblich unterfinanziert ist. So entfielen auf die Förderung der freien Literaturszene über Stipendien und Projektförderungen im Jahr 2018 lediglich gut 1,1 Mio. Euro. Die freie Darstellende Kunst wurde beispielsweise mit über 27 Mio. Euro gefördert. Zum Vergleich: Allein die Staatsoper unter den Linden wird im Haushaltsentwurf mit fast 50 Mio. Euro finanziert.

„Zusätzliche Arbeitsstipendien für Autorinnen und Autoren sowie die Öffnung des Projektmittelfonds für Literaturzeitschriften und Verlage sind zwar begrüßenswert, jedoch wurde die Chance auf die längst fällige strukturelle Verbesserung des Fördersystems im Bereich Literatur vertan“, so Moritz Malsch, Vorstandsmitglied des Netzwerks freie Literaturszene Berlin e.V. (NFLB). „Das ist besonders bedauerlich, weil wir mit unseren Mitgliedern hier viele richtungsweisende Ideen entwickelt haben.“ Das NFLB schlägt daher unter anderem eine Basis- und Konzeptförderung für literarische Initiativen vor, die auch Verlage und Literaturzeitschriften einbezieht, sowie Stipendien für Übersetzer*innen und literarische Kurator*innen. „Warum eine Basis- und Konzeptförderung in der Darstellenden Kunst möglich ist, im Literaturbereich aber nicht, ist völlig unverständlich“, ergänzt Lea Schneider, ebenso Vorstandsmitglied im NFLB, „denn gerade Lesereihen und Lesebühnen fallen ohne eine solche Förderung durchs Raster. Dabei sind sie wichtige Eckpfeiler der Berliner Literaturszene, über die sich junge Autorinnen und Autoren einen Namen machen können. Wir hoffen, dass das Abgeordnetenhaus hier noch wesentlich nachbessert.“ Die Gelegenheit, hier die ersten Schritte zu tun, ergibt sich für die Fachpolitiker*innen bei der ersten Lesung des Kulturhaushalts im Kulturausschuss am 19.8.2019.

Wir laden Sie herzlich zu unserer Pressekonferenz am 13.8.2019 um 11 Uhr in der Lettrétage, Mehringdamm 61, 10961 Berlin, ein – dort bieten auch Autor*innen, Verleger*innen und andere Akteur*innen der freien Literaturszene konkreten Einblick in die Situation der freien Szene, darunter Odile Kennel, Andrea Scrima, Tillmann Severin und Andrea Schmidt. Umfangreiche Pressematerialien finden Sie ab 13.8.2019 unter www.nflb.de/presse.

Am Samstag, den 17.8.2019 ab 19 Uhr findet im ACUD in Berlin-Mitte der Sommerempfang der freien Literaturszene Berlins statt. Beteiligt an Pressekonferenz und Empfang sind folgende Kooperationspartner: VS, VFLL, Bücherfrauen, VdÜ, Junge Verlagsmenschen, Unabhängige Lesereihen. Anmeldung zu Empfang und Pressekonferenz unter monika.jorge.mateo@nflb.de.

Das Netzwerk freie Literaturszene Berlin (NFLB e.V.) wurde 2013 gegründet und versteht sich als Interessenvertretung der rund 10.000 Berliner Autor*innen, Übersetzer*innen, freien Literaturveranstalter*innen und Independent-Verleger*innen gegenüber der Landespolitik und der Öffentlichkeit. Für Fragen und weitere Informationen stehen wir Ihnen gerne unter vorstand@nflb.de zur Verfügung.

17.08.: it’s lit – Sommerparty der freien Berliner Literaturszene

it’s lit – Sommerparty der freien Berliner Literaturszene

17. August 2019 // ACUD MACHT NEU, Veteranenstraße 21 // ab 22 Uhr // Eintritt frei! // Barrierefrei mit Fahrstuhl // Facebook

Indie-Literatur mag unscheinbar sein, aber in Berlin leuchtet sie überall auf: ob auf den Balkonen und an den Küchentischen, in den Straßen, bei Lesungen in Bars und Veranstaltungsräumen, in handgebundenen Zeitschriften oder limitierten Gedichtbänden. Wir feiern! Lasst uns für einen Abend Notizen, Bücher, Stifte, Mikrofone weglegen und an einem Ort zusammenkommen. Auf die harte Arbeit anstoßen. Tanzen! Wo auch immer wir sind, it‘s lit.

it’s lit – Summer party for Berlin’s indie literary Scene

August 17, 2019 // ACUD MACHT NEU, Veteranenstraße 21 // 10 pm // Admission free // Wheelchair accessible with elevator/lift // Facebook

Indie lit might be little, but in Berlin it’s literally everywhere:
lighting up writers’ balconies and translators’ kitchen tables, readings in bars and event spaces, hand-bound magazines and limited edition poetry collections. Being everywhere at once is our superpower. But just for tonight, let’s put down our pens and microphones and converge in one place. Toast each other’s hard work. Shake it all off on the dance floor. We’ve earned it. Wherever we are, we’re lit.

13.08.: Pressekonferenz – Wo ist die Literatur?

Pressekonferenz: Wo ist die Literatur? // 13.08.2019 // 11 Uhr // Lettrétage, Mehringdamm 61 // Anmeldung per Mail

In diesem Herbst entscheidet das Berliner Abgeordnetenhaus über den neuen Doppelhaushalt 2020/2021 und damit auch über die künftige Literatur-Förderpolitik. Anlässlich der ersten Lesung des Haushaltsentwurfs im Kulturausschuss am 19.08. lädt das nflb gemeinsam mit unseren Partnerverbänden KdfS, VS, VdÜ, VFLL, UL und Bücherfrauen zu einer Pressekonferenz ein.

Literatur ist viel mehr als nur Bücher. Entgegen dem veralteten Bild vom genialen Autor, der einsam an seinem Schreibtisch sitzt und Meisterwerke verfasst, die seine Leser*innen dann unhinterfragt hinzunehmen haben, verstehen wir Literatur als eine Einladung zum Diskurs. Dieser kann in Literaturzeitschriften, Büchern, aber auch im Rahmen von Lesungen, Literaturperformances und anderen Literaturveranstaltungen stattfinden.  

Berlins freie Literaturszene ist groß und vielfältig. Schätzungen zufolge leben bis zu 10.000 freie Autor*innen, Übersetzer*innen und Lektor*innen in der Stadt. Daneben finden Abend für Abend an bis zu 50 Orten literarische Lesungen statt, organisiert von zahllosen freien Literaturveranstalter*innen, kleinen Vereinen, Buchhandlungen, Independent-Verlagen oder Zeitschriften-Macher*innen. Das meiste davon geschieht ehrenamtlich. Damit Literatur nicht nur ein Produkt, sondern ein für alle offener, partizipativer Prozess sein kann, braucht sie Räume, an denen dieser Prozess für alle zugänglich ist, und Gastgeber*innen, die genug Zeit und Ressourcen haben, um in diese Räume einzuladen. Angesichts steigender Mieten und Gentrifizierung ist beides in Berlin akut gefährdet. Es braucht eine bessere Förderpolitik und mehr Sichtbarkeit für das, was Literatur heute und hier ist: Kein Elitendiskurs großer Namen, sondern ein Grundrecht für alle. Berlin braucht eine kluge Förderpolitik, um die Chancen, die sich aus diesem künstlerischen Angebot ergeben, für die Gestaltung einer pluralen, demokratischen und offenen Gesellschaft zu nutzen. 

Berliner Verlagspreis: Bewerbt euch!

Bis zum 31.07. ist noch eine Bewerbung für den Berliner Verlagspreis möglich. Im Vergleich zum Vorjahr wurden die Auswahlkriterien und Preisdotierungen leicht verändert; ein verstärktes Augenmerk liegt nun auf (wirtschaftlich) kleinen Verlagen, die „aus dem Mainstream (nicht nur) der Berliner Verlagslandschaft im besten Sinn des Wortes herausragen.“

Alle Informationen zur Bewerbung, Auswahlkriterien und Preisvergabe findet ihr hier.