Literaturstadt Berlin #2 – Berlin/Brandenburg

VOR ORT im Saal | Live-Übertragung auf rbbKultur
Kulturpolitische Diskussionsrunde mit Robbin JuhnkeUlrike LiedtkeHendrik Röder und Odile Kennel
Künstlerisches Intro: Cia Rinne
Begrüßung: Florian Höllerer, Statement der BLK: Alexander Graeff
Moderation: Natascha Freundel und Anne-Dore Krohn

Die Berliner Literaturkonferenz (BLK), in der die Literaturveranstalter·innen der Stadt – freie Literaturszene, institutionell geförderte Literaturhäuser, Häuser der freien Szene sowie Literaturfestivals – verbunden sind, lädt ein zum zweiten Podiumsgespräch über die Literaturpolitik der Stadt.

Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede gibt es in der Literaturförderung in Berlin und Brandenburg? Dominiert die Konkurrenz zwischen Stadt und Land, Provinz und Metropole, oder profitiert die Kulturszene von einer Synergie der Fördermodule? Wie mobilisieren wir das Publikum an neue Orte? Wie stärken wir dezentrale Angebote? Sollen nur Landeskinder von den eigenen Förderinstrumenten profitieren oder ist ein überregionaler, globaler Ansatz hier für alle Gewinn bringend?

Dazu diskutieren rbbKultur-Redakteurinnen Natascha Freundel und Anne-Dore Krohn mit Dr. Robbin Juhnke (Kulturpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus), Odile Kennel (Autorin und Übersetzerin), Prof. Dr. Ulrike Liedtke (Präsidentin des Brandenburger Landtags, SPD) und Hendrik Röder (Brandenburgisches Literaturbüro). Vorab treffen sich Berliner und Brandenburger Literaturveranstalter·innen und Literaturakteur·innen im LCB. In Kooperation mit dem rbbKultur, dem Brandenburgischen Literaturrat und der Berliner Literaturkonferenz.

Hinweise zum Besuch der Veranstaltungen

Neues zur Rechtslage bei Corona-Stipendien

Hier ein Hinweis an alle, die 2020 oder 2021 eines der sogenannten „Corona-Stipendien“ des Berliner Senats erhalten haben. Die Finanzverwaltung hat entschieden, dass diese eher als eine Einkommensbeihilfe zu werten und somit zu versteuern seien. Derzeit wird im Rahmen eines Musterprozesses geklärt, inwieweit die Stipendien tatsächlich versteuert werden müssen. Das Netzwerk Freie Literaturszene Berlin (NFLB) sieht die Kriterien für Steuerfreiheit als gegeben an und unterstützt die gerichtliche Klärung.

Wichtig: Alle Betroffenen, die im Erfolgsfall der Klage ihr zu viel gezahltes Geld zurückerhalten möchten, müssen fristgerecht Widerspruch gegen ihren Steuerbescheid des betreffenden Jahres einlegen! Bei einem rechtskräftigen Steuerbescheid kann man nachträglich nichts mehr machen. Die Frist dazu ist im Steuerbescheid angegeben. Wer betroffen ist, weitere Fragen dazu hat, oder das Vorgehen des NFLB unterstützen möchte, kann sich unter vorstand@nflb.de melden. Vor allem braucht der NFLB Spenden, um die beträchtlichen Rechtskosten decken zu können. Eine Spende ist unter www.betterplace.org/p105016 unkompliziert möglich.

Übrigens: Nach jetziger Regelung zahlt man auf das Stipendium zwar Einkommenssteuer, aber es wird nicht auf die Kleinunternehmer-Freigrenze angerechnet. Man muss daher nicht fürchten, allein durch das Stipendium in die Umsatzsteuerpflicht zu rutschen.

NFLB legt seine Forderungen zur Literaturförderung vor

Das Netzwerk freie Literaturszene Berlin e.V. hat seine „Forderungen für eine nachhaltige, diverse und gerechte Literaturförderung in Berlin“ vorgelegt. Diese wurden von den Mitgliedern coronabedingt in einem digitalen Prozess zusammengetragen und beschlossen. Die Forderungen beziehen sich nicht nur auf den bevorstehenden Doppelhaushalt, über den ab dem Herbst politisch verhandelt wird, sondern entwerfen auch perspektivische Konzepte, wie Literaturförderung strukturell ergänzt werden könnte. Dazu zählt das fünfjährige „Tandem-Stipendium“ für Autor*innen und Übersetzer*innen.

Besonders engagiert wurde über die Themen Altersarmut und soziale Absicherung diskutiert. Um Autor*innen und Übersetzer*innen eine längerfristige finanzielle Absicherung zu bieten, als dies bei den meisten Stipendien bislang der Fall ist, wurde das „Tandem-Stipendium“ konzipiert: Dabei erhalten etablierte Autor*innen und Literaturübersetzer*innen eine Festanstellung im literaturnahen Bereich, etwa in Literaturhäusern, Medien, Universitäten oder im Deutschunterricht an den Schulen. 50 Prozent der Arbeitszeit werden zum Schreiben freigestellt. „Vorbild für das Konzept waren eigentlich die bei der Bundeswehr angestellten sogenannten Sportsoldaten“, erläutert Moritz Malsch, Vorstandsvorsitzender des NFLB. „Was in der Spitzensportförderung möglich ist, sollte doch in der Literaturförderung auch zu machen sein?“ Eine Festanstellung adressiert zudem das Problem der Altersarmut: Da Stipendien nicht als Erwerbseinkommen gelten, werden auf sie auch keine Rentenbeiträge gezahlt. Autor*innen, die besonders viele Preise und Stipendien erhalten, bekommen so später paradoxerweise eine besonders niedrige Rente. Kulturstaatssekretär Thorsten Wöhlert zeigte sich bei einer Diskussion im Rahmen des Branchentreffs Literatur bereits offen für das Konzept und verwies auf einen zusätzlichen Planstellenbedarf allein der öffentlichen Bibliotheken von 300 Vollzeit-Stellen.

Ein wichtiger Fortschritt kündigt sich im Bereich der Übersetzer*innenförderung an, die in den NFLB-Forderungen an erster Stelle steht: „Wir freuen uns sehr, dass im Haushaltsentwurf der Kulturverwaltung erstmals Arbeitsstipendien für Übersetzer*innen vorgesehen sind, wie wir sie seit Jahren fordern“, so Delphine de Stoutz aus dem NFLB-Vorstand. „Aber die vorgesehenen Summen stellen für die zahllosen Übersetzer*innen der Stadt eher einen Tropfen auf den heißen Stein dar und führen weiterhin zu einer Ungleichbehandlung von Autor*innen und Übersetzer*innen.“

Weitere wichtige Punkte aus dem Forderungskatalog neben dem Bereich Stipendien sind u.a. der Abbau von Zugangsbarrieren aller Art sowie eine kleinteilige Basisförderung für die über 100 Lesebühnen und Lesereihen der Stadt, analog zur Basis- und Konzeptförderung in der Darstellenden Kunst. Angesichts der hohen Sonderausgaben aufgrund der Corona-Pandemie ist zu befürchten, dass sich hier im kommenden Haushalt wenig bis nichts bewegt. Dabei besteht nach wie vor eine strukturelle Unterförderung im Literaturbereich: Berlin gibt für seine freie Literaturszene momentan nicht einmal einen Euro pro Einwohner aus.

Den ausführlichen Forderungskatalog finden Sie hier:

Medien-Anfragen bitte an vorstand@nflb.de.

Demonstration am 14. September für Berlins Krankenhäuser: Wir für euch, ihr für uns

Das Netzwerk freie Literaturszene Berlin e.V. erklärt sich solidarisch mit den Krankenhausbeschäftigten in Berlins Krankenhäusern der Charité und Vivantes. Wir unterstützen die gewerkschaftlichen Bestrebungen für die nachhaltige Verbesserung der Arbeitsbedingungen. Wir finden, dass es Zeit ist, gemeinsam den Applaus von den Balkonen herab und als lautstarke Stimme auf die Straße zu bringen! Literarische Urheber*innen der Stadt – schließt Euch den Aktionen des Pflegestreiks an, seid laut, seid solidarisch!

14. September um 16:00 Uhr

Demonstration: Wir für euch, ihr für uns – Berlin steht zusammen für seine Krankenhäuser

Start Kundgebung: 16:00 Uhr, Robert-Koch-Platz

Start der Laufdemo: 16:30 Uhr

Abschluss Kundgebung: 17:30 Uhr, Neptunbrunnen

Literaturstadt Berlin – Kulturpolitische Diskussionsrunde am 30. August

mit Paula Fürstenberg, Bettina Jarasch, Klaus Lederer, Annette Wostrak

Moderation: Natascha Freundel, Anne-Dore Krohn

Im Anschluss: „Der unsichtbare Prozess“ – Leseperformance des arabisch-deutschen Literaturkollektivs WIESE (Wie es ist)

Die Berliner Literaturkonferenz (BLK), in der die Literaturveranstalter·innen der Stadt – freie Literaturszene, institutionell geförderte Literaturhäuser, Häuser der freien Szene sowie Literaturfestivals – verbunden sind, lädt zu einem Podiumsgespräch über die Literaturpolitik der Stadt. Welche Perspektiven hat die Literaturstadt Berlin, welcher Rahmenbedingungen bedarf es, um sie weiterzuentwickeln und die vielgestaltige Literaturszene zu stärken? Und welche gestalterische Rolle kann Literatur als kulturelles wie soziales Ereignis in der Stadtgesellschaft einnehmen?

Darüber diskutieren Paula Fürstenberg, Autorin und aktives Mitglied der freien Szene, Daniel Wesener, kulturpolitischer Sprecher der Fraktion Bündnis 90/ Die Grünen im Abgeordnetenhaus, Klaus Lederer, Kultursenator und Spitzenkandidat der Linken, und Annette Wostrak, Leiterin von LesArt und Sprecherin der BLK (gemeinsam mit Alexander Graeff). Die Diskussion wird von den RBB-Redakteurinnen Anne-Dore Krohn und Natascha Freundel moderiert und am 4. Oktober 2021 von 19.00-20.00 Uhr auf rbbKultur gesendet.

Im Anschluss an die Diskussion tritt das arabisch-deutsche Literaturkollektiv WIESE, u.a. mit Galal Alahmadi, Marwa Younes Almokbel und Christian Filips, auf. Die Leseperformance „Der unsichtbare Prozess“ thematisiert den Koblenzer Al-Khatib-Prozess sowie die unterschiedlichen sprachlichen Aushandlungs- und Übersetzungsprozesse, die dabei fast unbemerkt ablaufen. Die Performance wird gefördert durch den Projektfonds des Deutschen Übersetzerfonds im Rahmen des Programms NEUSTART KULTUR der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Die Veranstaltung ist Auftakt einer kulturpolitischen Reihe, die sich in unterschiedlichen Konstellationen fortsetzen wird.

Mehr Infos zur Veranstaltung gibt es hier.

Neuer Vorstand

V.l.n.r.: Moritz Malsch, Dorota Stroinska, Lea Schneider, Paula Fürstenberg, Caca Savic

Auf der Mitgliederversammlung vom 15.02.2020 wurde turnusgemäß ein neuer Vorstand gewählt. Neu hinzugestoßen ist Dorota Stroinska als Stellvertretende Vorsitzende. Alexander Lehnert ist ausgeschieden – wir danken ihm herzlich für die vielen Impulse und die geleistete Arbeit.

Ausschreibung: Arbeitsräume in Weißensee

Die Senatsverwaltung für Kultur und Europa vergibt im Rahmen des Arbeitsraumprogramms subventionierte Arbeitsräume/-plätze für Literatinnen und Literaten der freien Szene Berlins.

Bis zum 1.11.2019 könnt ihr euch noch auf insgesamt 3 Arbeitsräume in der Bühringstr. 12, 13086 Berlin-Pankow, OT Weißensee, 1. OG (Gesamtfläche 123,25 qm) bewerben.

Alle Details zu den Räumen, zur Bewerbung und zum Vergabeverfahren findet ihr auf der Webseite der Kulturverwaltung.

Wir wünschen viel Erfolg bei der Bewerbung!

rbb-Kulturradio: Zu wenig Literaturförderung

Gestern hat Moritz Malsch für das nflb und die Berliner Literaturkonferenz ein Interview im rbb-Kulturradio zum aktuellen Kultur-Haushaltsentwurf und unserer Kritik an der strukturellen Benachteiligung der Literatur gegeben. Zum Nachhören müsst ihr euch ein bisschen durchklicken: Ihr findet den Beitrag anhand von Sendezeit (20.8. um 08:10 Uhr) und Titel („Zu wenig Literaturförderung?“).